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Leserbriefe |
DIE DOMESTIZIERTE WILDNIS
Bremens Stadtwaldsee, im März 2004
Wovon fast alle Bremer träumen:
Nun ist die Erde endlich frei von Sträuchern, Bäumen
Und endlich leer, bis vor zum See
Und nur der Vögel wegen schon so früh!
Bräch’ es der Bremer Politik doch glatt das Herz
Müsst später als am ersten März
Die Rodungssäge kreischen
Und aus der Ruhe reißen
Beim Brüten gar –
Den Fink, den Star! …
So aber kann
Von Anfang an
Das Federvieh woanders sich was Bessres suchen –
Warum nicht unter Niedersachsens Buchen?
Da lachen ja die Hühner, stockentennüchtern meckernd
Und auch die Vögel, die verjagten, zwitschern käckernd
Ihm Schiete dafür ins Gesicht
Dem neuen Vögelschützer, alten Christ
Wenn so der Bausenator, wie erpicht
Auf grünen Beifall, plötzlich säuselnd spricht
Und demokratisch-artgerecht
Den Wald umsägen lässt!
Er, Meister Eckhoff, lernt dazu – ein schlauer Fuchs
Versteckt gekonnt, wie früher ihm der Schnabel wuchs.
Doch, ganz im Ernst: Wie schlau ist dieser Baumumhauer
Ein in gewichsten Stiefeln hergelaufner Bauer
Wenn er gewaltig, ja schier unerhört
Statt Gras die Wirtschaft wachsen hört?
Zunächst wächst draußen in der Wildnis
Doch nur ein tristes Ebenbildnis
Von Räumen, die gleich nebenan
Man auch schon zahlreich mieten kann
Doch keiner will –
Es sind schon heute viel zuviel!
Auch wär’ es nicht das erste Mal
Dass zu der Untertanen Qual
Ganz kolossale Rats-Visionen
Mit den geborgten Staats-Millionen
In Bremen in die Binsen gingen
Statt endlich einmal zu gelingen –
Drum lachen Hühner auch schon heut
Weil sich die Schar schon heut drauf freut
Dass wahr wird ihr gar weiser Traum
Wenn aus zerbroch’nen Fenstern wieder Bäume schaun
Auf Vogelnester, Strauch und Klee
Dicht an dicht – am Stadtwaldsee.