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Richard Staab

 

DIE DOMESTIZIERTE WILDNIS

Bremens Stadtwaldsee, im März 2004

 

Wovon fast alle Bremer träumen:

Nun ist die Erde endlich frei von Sträuchern, Bäumen

Und endlich leer, bis vor zum See

Und nur der Vögel wegen schon so früh!

Bräch’ es der Bremer Politik doch glatt das Herz

Müsst später als am ersten März

Die Rodungssäge kreischen

Und aus der Ruhe reißen

Beim Brüten gar –

Den Fink, den Star! …

So aber kann

Von Anfang an

Das Federvieh woanders sich was Bessres suchen –

Warum nicht unter Niedersachsens Buchen?

Da lachen ja die Hühner, stockentennüchtern meckernd

Und auch die Vögel, die verjagten, zwitschern käckernd

Ihm Schiete dafür ins Gesicht

Dem neuen Vögelschützer, alten Christ

Wenn so der Bausenator, wie erpicht

Auf grünen Beifall, plötzlich säuselnd spricht

Und demokratisch-artgerecht

Den Wald umsägen lässt!

Er, Meister Eckhoff, lernt dazu – ein schlauer Fuchs

Versteckt gekonnt, wie früher ihm der Schnabel wuchs.

Doch, ganz im Ernst: Wie schlau ist dieser Baumumhauer

Ein in gewichsten Stiefeln hergelaufner Bauer

Wenn er gewaltig, ja schier unerhört

Statt Gras die Wirtschaft wachsen hört?

Zunächst wächst draußen in der Wildnis

Doch nur ein tristes Ebenbildnis

Von Räumen, die gleich nebenan

Man auch schon zahlreich mieten kann

Doch keiner will –

Es sind schon heute viel zuviel!

Auch wär’ es nicht das erste Mal

Dass zu der Untertanen Qual

Ganz kolossale Rats-Visionen

Mit den geborgten Staats-Millionen

In Bremen in die Binsen gingen

Statt endlich einmal zu gelingen –

Drum lachen Hühner auch schon heut

Weil sich die Schar schon heut drauf freut

Dass wahr wird ihr gar weiser Traum

Wenn aus zerbroch’nen Fenstern wieder Bäume schaun

Auf Vogelnester, Strauch und Klee

Dicht an dicht – am Stadtwaldsee.